Martin Naef

PERSÖNLICH

Übersicht

Im Jahr 1970 bin ich in Bern geboren, wo ich nun als Nationalrat für den Kanton Zürich die Interessen unserer Bevölkerung vertrete.

Während meiner Kindheit und Jugend lebte ich in Dietlikon und besuchte das Gymi in Winterthur. Seit 1995 ist Zürich Aussersihl sowohl mein privates als auch mein politisches Zuhause.

Nach Praktika beim Zürcher Unterländer und dem Landboten habe ich Jus an der Uni Zürich studiert. Mit Stellen am Bezirksgericht Zürich, bei der Jugendanwaltschaft Dietikon und dem Kaufmännischen Verband Schweiz sammelte ich viele wertvolle Erfahrungen für die Stelle als Personalverantwortlicher bei der KESB, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (ehemals Vormundschaftsbehörde) der Stadt Zürich. Nach 10 Jahren wechselte ich per 2016 meine Funktion und bin heute Stabschef der Geschäftsleitung der KESB. 

Seit 1991 bin ich Mitglied der SP und durfte unsere Partei im Verfassungsrat als SP-Fraktionspräsident und von 2003 bis 2012 im Kantonsrat vertreten. Dies brachte mir auch die Erfahrung, um vier Jahre die Kantonalpartei zu leiten. Als Mitglied der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) im Kantonsrat half ich mit, die Machenschaften um den BVK-Skandal aufzudecken. Seit Dezember 2011 bin ich Mitglied der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats (APK-N), in der ich mich vor allem für eine offene Schweiz und die Verbesserung der Menschenrechte einsetze.

Kindheit

Aufgewachsen bin ich im malerischen Glatttal zwischen zwei Flughäfen. Die Ortschronik von Dietlikon heisst bezeichnenderweise "Zwischen den Strassen". So kennen die meisten Zürcher Dietlikon lediglich vom wochenendlichen Verkehrschaos beim Kauf von Büchergestellen mit schwedischer Aufstellanleitung.

Dietlikon hat einen überaus schnuckeligen Dorfkern und ein reges Dorfleben. Die Leute sind freundlich, man grüsst und kennt sich noch. Ausserdem gibt es eine schöne Badi und sogar noch etwas Grün drum rum. Bald entstand aber die Autobahn und man erspähte in der Ferne das Glattzentrum. Heute ist man mit der S-Bahn schneller am Bellevue als mit dem 8er aus Aussersihl. Mein ganzer Kindheitsstolz war im Übrigen, dass das Coca-Cola unerklärlicherweise mit Dietliker Wasser gemacht wird.

Ich erkämpfte als Bub mehrere Medaillen an den Clubmeisterschaften des Judoclub Dübendorf. Wurf-, Fall- und Festhaltetechniken gehören heute eher weniger zu meinem politischen Repertoire, eher schon der im japanischen Kampfsport gelebte Respekt vor dem Gegner.

In Dietlikon entstand auch mein Gerechtigkeitssinn. Noch als Primarschüler meldete sich der Ladendetektiv des Jumbo-Marktes bei meiner Mutter. Er hatte unglaubliches festgestellt: Ich hatte an einzelnen Spielzeugautos günstigere Preisetiketten von anderen Produkten angebracht, weil ich entdeckt hatte, dass die Autos uneinheitlich gepreist waren. Ich hatte aber keines gekauft. Der Mann war fassungslos.

Jugend

Ich besuchte das Wirtschaftsgymi in Winterthur. Eine Stadt die ich sehr lieb gewonnen habe. Damals war allerdings noch um elf Polizeistunde, auf dass die Arbeiter in Töss jeweils ausgeschlafen und nüchtern in den Fabriken erschienen. Böse Zungen behaupteten, das Albani-Fäscht und die Beizenfasnacht seien die einzigen Höhepunkte im Winterthurer Stadtleben. Jedenfalls staune ich heute über diese vor Kultur und Leben blühende Stadt – und freue mich über den Erfolg sozialdemokratischer Politik.

Nach der Matur machte ich zwei Praktika beim Zürcher Unterländer und dem Landboten. Ich verbrachte also das hochinteressante Jahr 89/90 mehr oder weniger vor dem Newsticker Ich wollte politischen Journalismus machen. Man riet mir der abgebrochenen Historiker und Ethnologinnen überdrüssig, ich sollte doch Jus studieren, was ich dann auch tat. Den Journalismus verstellte ich mir dann aber mit meiner spontanen Politkarriere. Bereits 1991 war ich der SP beigetreten.

Ungern erinnere ich mich an die Armee und die Füsel-RS, wobei ich vor allem durch meine Ukulele und den Gesang Furore machte. Ich singe heute noch gerne und spiele auf meinem E-Piano. Die Freude meiner Nachbarn ist unerforscht. Ich habe in der Armee dann jahrelang den Flughafen Kloten bewacht, bis mir eine Bandscheibe die letzten Diensttage vorenthielt. Wie man sieht gibt es nicht zuletzt dank mir den Flughafen noch, was zumindest in radikallinken Umweltkreisen eine umstrittene Leistung sein dürfte.

1993 nahm ich dann als Jus-Student an einem Seminar teil, welches sich mit der utopischen Frage beschäftigte, was denn in einer neuen Zürcher Kantonsverfassung drin stehen könnte. Ich beschäftigte mich mit kooperativem Föderalismus und den Mitwirkungsrechten des Kantonsrates.

Politik

Als Student wollte ich noch politischer Sekretär des Verfassungsrates werden. Schliesslich wurde ich aber in den Rat gewählt und wurde gar Fraktionschef der SP. Die Verfassungsdiskussion war eine Wertediskussion und eine hochpolitische Aufgabe. Sie prägt mein politisches Engagement und Bild bis heute. Dank klugen Kompromissen mit der Mitte brachten wir schliesslich die Verfassung 2005 mit Zweidrittelmehr durch die Volksabstimmung, obwohl die SVP mit einer Kampagnenwalze vor immensen Kosten und der Einführung des Sozialismus warnte. So haben wir jetzt u.a. das Recht auf Bildung, die Anerkennung zweier jüdischer Gemeinden, die Anerkennung nichtehelicher Partnerschaften, einen umfassenden Diskriminierungsschutz, die Möglichkeit des Ausländerstimmrechts zumindest in den Kirchen, die Einbürgerungen als willkürfreien Verwaltungsakt verankert.

2003 war ich überraschend in den Kantonsrat gewählt worden. Vielleicht des Redens wegen. In der ersten Klasse hielt meine Lehrerin in einem Brief an meine Eltern fest, dass meine Beiträge sehr gescheit und für die Klasse ganz wichtig seien, ich mich aber häufiger melden sollte. Eine Qualifikation, welche der Tages-Anzeiger 34 Jahre später bezüglich meiner Arbeit im Kantonsrat übernahm und ihn dazu veranlasste mich immerhin auf Platz 4 in der Rubrik "ihnen hört man am liebsten zu" zu klassieren - "würde er sich häufiger melden, hätte er den Podestplatz mehr als verdient," so der Tages-Anzeiger. Reden und schreiben gehören denn auch zu meinen liebsten Beschäftigungen. Ganz im Gegensatz dazu steht Mathematik, in der ich schlechtes Mittelmass war. Und heute setze ich mich politisch für strengere Regulierungen von Finanzdienstleistenden ein. Aber aber.
Ausserdem war ich bis zu meinem Austritt aus dem Kantonsrat im April 2012 in der PUK BVK, neben der Wahl in den Nationalrat so ziemlich die Krönung eines Zürcher Politikerlebens. Immerhin geht es in der PUK um die Versicherungsansprüche von 100'000 Menschen die einen Anspruch auf vollumfängliche Aufklärung haben. Über alle Parteigrenzen hinweg, nahmen wir diese Aufgabe sehr ernst. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem einstimmig verabschiedeten PUK-Bericht die Grundlage dafür schaffen konnten, dass sich solche Vorgänge auf dem Buckel der Versicherten nicht mehr wiederholen.

Die Arbeit im Nationalrat ist arbeitsintensiv, aber auch eine grosse Harausforderung und Befriedigung. Die Fragesetellungen, die mir in der Aussenpolitischen Kommission begegnen, sind ebenso vielfältig, wie die Begegnungen mit engagierten Menschen aus allen Ländern. Ich sehe hier auch, dass die Schweiz sich nicht nur bewegen sollte, sondern auch viel bewegen kann. So gilt denn mein Einsatz in den nächsten Jahren vor allem den Menschenrechten, der Entwicklungszusammenarbeit und der Öffnung unseres Landes.

Arbeit

Bereits in Zürich wohnend, verliess ich die Uni als Jurist geprägt von der Optik des freien Bürgers gegenüber möglicher staatlicher Willkür. D.h. Grundrechte, Menschenrechte versus Polizei und Justiz. Auch heute gilt mein besonderes Engagement dem Migrationsrecht und den Menschenrechten. Ich ging mit dieser Haltung als teilnehmender Beobachter ans Bezirksgericht Zürich. Ich war schnell beeindruckt, von der Seriosität bei der Rechtsanwendung, das ehrliche Bemühen, nicht nur Recht zu sprechen, sondern den Menschen auch gerecht zu werden.

Es macht mich immer wütend, wenn die Rechtspopulisten über Menschen sprechen, die sie nie gesehen haben. Dasselbe gilt für die immer aktuelle Diskussion über das Jugendstrafrecht. Ich habe fünf Jahre bei der Jugendanwaltschaft gearbeitet, zuletzt als Jugendanwalt in Dietikon. Ich stehe zu einer schnellen und deutlichen Reaktion auf gewalttätiges Verhalten und andere Straftaten. Genauso stehe ich aber zu einer tätergerechten Sanktion. Wenn ein junger Täter sich jahrelang im Massnahmenvollzug mit sich und seiner Tat auseinandersetzt und daneben einen Schul- oder Lehrabschluss machen kann, so ist die Chance auf ein deliktfreies Leben allemal grösser, als wenn alles auf eine möglichst lange, perspektivenlose Haftdauer ausgerichtet ist.

Später habe ich zweieinhalb Jahre beim KV Schweiz als Ressortleiter Angestelltenpolitik gearbeitet, wo ich vor allem für die Gesamtarbeitsverträge mit Coop und Migros mitsamt den entsprechenden Lohnrunden verantwortlich war. Als KV-Vertreter habe ich aber mit der Unia auch mit Schneider-Ammann über den Swissmem-GAV verhandelt. Mit dieser Arbeit wurden mir die Bedeutung der Sozialpartnerschaft und deren tiefe Verankerung in unserem Land so richtig bewusst. Ich bin heute Mitglied des Vorstandes des KV Zürich und in der gewerkschaftlichen Gruppe des Kantonsrates dabei. Das entspricht mir sehr, auch wenn ich mich als sozial-liberal bezeichnen würde.

Seit 2006 bin ich bei der Vormundschaftsbehörde, der heutigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), wo ich bis Ende 2015 für unser rund 95-köpfiges Personal mit fünf KV-Lernenden verantwortlich war. Durch den Einsitz in der Geschäftsleitung war ich immer mit allen Geschäften der KESB vertraut. Aus diesem Grund bin ich heute Stabschef der Geschäftsleitung. Aus dieser und meiner vorherigen Tätigkeit kommt denn auch mein grosses Interesse an der gesamten Sozialpolitik. Es soll in unserem Land möglichst vielen Menschen möglichst gut gehen. So einfach und so schwierig ist das.

Privates

Seit 1995 lebe und wohne ich nun in Aussersihl. Heute bin ich bekennender FCZ-Fan, was mir früher vergönnt war. Mein Vater war am Jöggelikasten immer der FCZ, was mich ins Trikot von GC zwang. Als Jugendlicher galt mein Hauptinteresse ohnehin eher dem ZSC. Es war die Zeit vor Walter Frey und Meisterkübel als man im Hallenstadion noch richtig leiden und verlieren konnte. Auch die Tickets kosteten noch kein Vermögen.

Privat kann ich zudem sagen, dass ich ein begeisterter Kulturmensch bin, der sehr gerne ins Kino und ins Theater geht. Dass ich alles Südliche, insbesondere griechische Inseln und italienische Krimis liebe. Geschweige denn das Essen, die Musik und den Wein. Dass ich ausserdem leidenschaftlich gerne schreibe und Zeitung lese. Und natürlich mit Freund und weniger Freund gerne diskutiere, mit Vorliebe im Rathauscafé an der Limmat.

Auch im Privatleben lässt mich die Politik nicht los. So engagiere ich mich bereits seit Jahren in den Vorständen der Homosexuellen Arbeitsgruppe HAZ und bis 2015 bei der Zürcher Aids-Hilfe. Der Kampf für gleiche Rechte für Schwule und Lesben und gegen die weltweite Diskriminierung ist ein zentraler Teil meines politischen Lebens. Höhepunkt für mich war die Annahme des Partnerschaftsgesetzes noch als kantonaler Parteipräsident. Zudem war ich bis 2015 18 Jahre im Vorstand der SP 4 engagiert.

AGENDA

Alle Termine im Überblick
25. Oktober 2017

KV Zürich // Vorstandssitzung

26. Oktober 2017

NEBS Zürich

6. - 7. November 2017

APK-Sitzung, Bern

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